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26.03.2008    

Eigentlich hat der weinbrandt Kochsendungen gern. Nur leider wird unsere Fernsehlandschaft derzeit methodisch massenhaft mit halbgaren Shows überschwemmt, die immer mehr wirken wie in die Länge gezogene Induktionsherd-Werbespots. Lafer, Lichter, Langweil! Da lobt sich der weinbrandt Stargastronom Anthony Bourdain, der gnadenlos mit den populären TV-Köchen und gängigen Trends abrechnet und da anfängt, wo Lieblingsschwiegersohn Mälzer aufhört. Der 52-jährige Bourdain sammelte jahrelang Erfahrungen in New Yorker Top-Restaurants, die er unter anderem in seinem genial impertinenten Buch "Geständnisse eines Küchenchefs" niederschrieb. Heute hat er den aufreibenden Platz hinter dem Herd mit dem vor der Kamera eingetauscht. In seiner Sendung "Eine Frage des Geschmacks" schwingt er jedoch kaum selbst den Kochlöffel. Vielmehr macht sich Bourdain unerschrocken und fasziniert in aller Herren Länder auf die Jagd nach dem vollkommenen Genuss. Überzeugt davon, dass äußerst selten das raffinierteste oder teuerste Mahl der Perfektion gleichkommt. Für ihn zählen genauso das Ambiente, alte Erinnerungen oder die Menschen, mit denen man speist. Während seiner lukullischen Odyssee verschmäht er molekularen Meerwasserschaum oder Desserts, die aussehen wie Fabergé-Eier. Bourdain sucht sich kompetente Locals, mit denen er sich dann auf exotische Streifzüge begibt. Kaltblütig und ohne Rücksicht auf Verluste, jedoch stets liebenswürdig, saugt er in Shanghai mit einem Strohhalm Mark aus Tierknochen, frühstückt in Vietnam weich gekochte Entenembryos oder schluckt in Saigon ein noch schlagendes Kobraherz. Ekel spült er mit Unmengen keimtötenden Alkohol herunter und eindrucksvolle Empfindungen vergleicht Bourdain mit ehemaligen Drogenerlebnissen. Auf die Frage, wie er sich trotz all der deftigen Gelage seine Fitness bewahrt, antwortet Anthony trocken: "Viel Bier, viel Schweinefleisch, kein Sport."

 
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07.02.2007    

Der weinbrandt mag Kochsendungen. Er mag Kerners Köche und den "Naked Chef" Jamie Oliver. Und gelegentlich "Das perfekte Dinner". Fünf Hobbygourmets bekochen sich gegenseitig und zerpflücken schließlich jede einzelne Menü-Ingrediens, um es nach einem Punktesystem zu bewerten. Wenn alles gelingt, ist die Sendung einschläfernd. Der weinbrandt wacht aber auf, wenn sich bei den Nörglern perverse Schadenfreude über einen angebrannten Hauptgang einstellt. Aus einem lieben Leckermäulchen wird dann schnell ein Larifari-Lästermaul: „Der Flammkuchen macht seinem Namen alle Ehre …“ Aber halt! Sagte nicht schon Goethe: „Ihr habt das Recht, gesittet pfui zu sagen.“ Denn genießbare Kritik ist genauso schwer zu fabrizieren wie gutes Essen. Wer wissen will, wie es richtig geht, kann bei "Erlebniskochen & Weinschmecken" einen Restaurantkritikerkurs belegen. Der weinbrandt kritisierte mit und wurde in die hohe Bewertungskunst im Restaurant Barestovino anhand eines ausführlichen Fragebogens eingewiesen. Geleitet von der Chefredakteurin des geschätzten Gastroführers "DelikatEssen". Sie erzählte eigene Erlebnisse und gab interessante Inkognito-Tipps. Wenn man nicht durch ständiges Notizenkritzeln auffallen möchte, z.B. einfach die Weininfos daheim auf den AB sprechen. Die anfänglich etwas steife Seminarschar wurde mit jedem nachgeschenktem Glas Chardonnay aus Burgund immer lockerer und hatte aufgrund der leider schwachen Küchenleistung (aufwendige Zubereitung, wenig Geschmack) viel zu diskutieren. Zum Schluss durften alle Teilnehmer ihr Urteil in schriftlicher Form abgeben. Die haltbarste Kritik wurde mit einer Flasche Wein honoriert. Vom Wettstreit wurde der weinbrandt zwar als "Profi" ausgeschlossen, aber diese Anrede ließ ihn den Abend natürlich in köstlicher Erinnerung behalten ...

   
13.11.2006    

Die arme Tabakindustrie ist wirklich zu bedauern. Kann man ja mittlerweile schon im Gefängnis landen, wenn man sich eine Fluppe im Flieger anzündet oder die Unverfrorenheit besitzt, im Restaurant zu qualmen. Werbung ist verboten, die Steuern steigen ständig, von den schmuggelnden Polen ganz zu schweigen. Was also tun? Erst einmal die Presse zum dekadenten Kochevent einladen. Anteilnehmend wie er ist, machte natürlich auch der weinbrandt mit. In der noblen Küchenlounge Kounge wurde bei "Wild Turkey" so einiges aufgefahren. Aber zuerst musste man selber ran. Berge von Kürbis schneiden, Blutwurst pürieren, Hummer auslösen, wer diese Arbeiten nicht täglich verrichtet, wurde unter Anleitung des Sternekochs Holger Stromberg professionell in alle Schritte eingewiesen. Man kam kaum zum Wein trinken, obwohl dem weinbrandt der aromatische Sauvignon Blanc von Schneider aus der Pfalz im Minutentakt nachgefüllt wurde. Als die Pumpkin-Suppe mit gegrillter Jakobsmuschel genügend geköchelt hatte, nahm man an der schön eingedeckten Tafel platz, auf der ganz unauffällig ein paar offene Kippenschachteln positioniert waren. Suppe und der dazu gereichte kräftige Wein Valli di Porto Pino lieferten sich ein spannendes Aromenmatch. Auch gegenüber der Hummermortadella auf süß-saurem Senf-Gemüse konnte er mit seinen feinen Röstaromen bestehen. Eifrig bediente sich die versammelte Mannschaft zwischen jedem Gang an den unentgeltlichen Zigaretten, für den weinbrandt unverständlich. Waren doch die Speisen so meisterhaft und zart in ihrer Geschmacksarchitektur gebaut, dass nur ein ungelähmter Sinn sie in ihrer Mannigfaltigkeit wahrnehmen konnte. Gleichwohl wurde der enthaltsame weinbrandt von den sehr sympathischen Sponsoren weder zum Tabakkonsum gezwungen, noch argwöhnisch beäugt. Deftiger ging es schließlich mit dem Hauptgang weiter, ein Ganzer gefüllter Truthahn mit Süßkartoffeln-Cranberry-Tortilla. Der konnte im Gegensatz zum Vitus Spätburgunder aus Baden voll und ganz überzeugen. Zum krönenden Abschluss wurde ein warmer Nuß-Schoko-Pudding mit Tamarindeneis zusammen mit einem honigduftenden Malvasia Passito von Vigna del Volta serviert. Ach, auch das Leben des weinbrandt ist wahrlich bedauerlich ...

   
06.09.2006    

Hi Stuart, nichts geschieht, ohne dass ein Traum vorausgeht. Vorgestern kam der unerwartete Anruf aus Dürkheim mit einem noch besser als sonst gelaunten Thomas Hensel am anderen Ende der Leitung. weinbrandt, jetzt bist du weltberühmt, schallte es aus dem Hörer. Verdutzt blieb mir eine Antwort im Halse stecken. Stuart Pigott hat sein neues Buch rausgebracht und du stehst auch drin. Solche Nachrichten an einem frühen Montagmorgen, gerade erst aus weinschwangeren Träumereien erwacht, kann man eigentlich nur mit einem skeptischen Grunzen beantworten. Ich dagegen brach in halb hysterisches Lachen aus. Hensel schilderte genüsslich die beschriebene Pfalz-Portwein-Episode, derweil ich mich sofort durch Amazon klickte, um dein druckfrische Erzeugnis "Wilder Wein" zu bestellen. Jetzt liegt es auf meinem Nachtisch und ich freue mich auf eine schlaflose Nacht ...

   
16.03.2006    

Der weinbrandt ist es gewohnt, dass er von mehreren Seiten misstrauisch beäugt wird, wenn er in Jeans und mit Piercing eine exklusive Weindegustation besucht. Trägt man aber edlen Zwirn mit Schlips könnte man auch das böseste Biest auf Erden sein, augenscheinlich wirkt man glaubwürdig. Als der weinbrandt vor kurzem in kleiner Runde einem Seminar beiwohnte, dass der von ihm hochgeschätzte Jens Priewe leitete, traute sich keiner der anwesenden Weinschmecker ein Wörtchen zu bemerken. Wäre aber dringend nötig gewesen, denn nicht nur der weinbrandt rümpfte die Nase ob der ungewohnten Stinkerei. Die entströmte freilich nicht dem 1989er Chateau Monbrison, sondern einer aufgebretzelten und pelzbehangenen Madame einen Tisch weiter. Um nicht nur durch ihre kenntnisreichen Kommentare zu brillieren, hatte sie sich vorher geschickter Weise mit einem Liter Moschus-Duftwasser übergossen. Bleibt abschließend die Frage: Wie lässt sich wohl zweckmäßiger degustieren? Mit Hemd aus der Hose oder einem Flitscherl im Zinken …